2016 | by PROHEALTH consortium | Print Article

Schlussfolgerungen aus einer PROHEALTH Studie auf französischen Schweinefarmen

Das Sterben von Ferkeln ist weltweit eines der Hauptprobleme der Schweineindustrie, da es zu einer verminderten Leistung der Sau und erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führt. Gemäß verschiedenen Studien zur Ferkelsterblichkeit werden Erdrückung und Todgeburt als die häufigste Todesursache angesehen. Die einzelnen Ursachen zur Ferkelsterblichkeit sind jedoch noch nicht vollständig erforscht. Darüber hinaus beschäftigt sich die bestehende Fachliteratur nicht mit den Unterschieden, die zwischen einzelnen Farmen bestehen und wie diese Unterschiede zur Problematik beitragen.

Neue Einsichten liefert eine Studie, die PROHEALTH auf französischen Schweinefarmen durchgeführt hat. Alle der 146 untersuchten Höfe wiesen Probleme mit neonataler Sterblichkeit auf und waren Teil einer Betriebsprüfung durch die CCPA Gruppe, welche an PROHEALTH teilnimmt. Während der Studie wurden 7‘928 Todesfälle unter 40‘101 geborenen Ferkeln untersucht. Durchschnittlich wurden von jedem Betrieb 18.1 ± 5.62 Sauen nach dem Zufallsprinzip ausgesucht und alle toten Ferkel wurden einer Autopsie unterzogen. Es zeigte sich, dass innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Geburt 85% aller Todesfälle von Ferkeln auf sechs Hauptursachen zurückzuführen sind. In der Reihenfolge ihrer Häufigkeit sind dies die Ursachen (Abbildung 1):

1. Tod während des Abferkelns 23%

2. Nicht lebensfähige, untergewichtige Ferkel 21%

3. Tod vor oder während des Abferkelns mit Anzeichen einer Sepsis 17%

4. Mumifikation 11%

5. Erdrückung 8%

6. Hungertod 5%

7. Andere 15%, dies beinhaltet akute Krankheiten, Tod vor dem Abferkeln mit Anzeichen von Autolyse, Anämie etc.

Newsletter April 2016

Obwohl Erdrückung eine bekannte Ursache für die Ferkelsterblichkeit ist, gehört sie wider Erwarten nicht zu den top drei Todesursachen. Stattdessen ereigneten sich die meisten Todesfälle entweder vor oder während des Abferkelns, was somit die häufigste Ursache für Verluste darstellt. Daher sollte diese in Bezug auf Lösungsstrategien mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Todgeburt als Ergebnis eines Todesfalles während des Abferkelns war die häufigste Ursache der Ferkelsterblichkeit. Allerdings haben Todgeburten verschiedene Ursachen und können in drei verschiedene Kategorien unterteilt werden (Abbildung 2):

  • Tod während des Abferkelns 52%
  • Tod vor oder während des Abferkelns mit Anzeichen einer Sepsis 39%
  • Tod vor dem Abferkeln mit Anzeichen von Autolyse der inneren Organe 9%

Newsletter April 2016

Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass verschiedene Faktoren zur Ursache, aber auch zur möglichen Vorbeugung von Todgeburten beitragen: 

  • Todesfälle während des Abferkelns verringerten sich in der Nacht, jedoch war dies nicht der Fall für andere Ursachen von Todgeburten. Da die Unterstützung beim Abferkeln während der Nacht nicht gewährleistet war, lässt diese Beobachtung darauf schließen, dass eine unangemessene Handhabung während des Abferkelns zu spezifischen Todesursachen beitragen kann. 
  • Im Vergleich zu anderen Ursachen von Todgeburten wurden Todesfälle vor dem Abferkeln mit geringerem Gewicht der Ferkel assoziiert.Wenn Ferkel den Abferkelprozess überleben, sind sie immer noch dem Risiko des Hungertods und der Erdrückung ausgesetzt. Im Vergleich zur Nacht beobachten wir tagsüber einen Rückgang an Todesfällen durch Hungertod nach dem Abferkeln. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Hilfestellung während und nach dem Abferkeln, welche tagsüber sichergestellt ist. Zum Beispiel werden die Ferkel zum Konsum von Kolostrum ermutigt. 

Das Gewicht der Ferkel, die Parität der Sau, die Wurfgröße, Todesursachen von Wurfgeschwistern, sowie die Jahreszeit wurden als potenzielle Risiken für bestimmte Ursachen der Ferkelsterblichkeit festgestellt. Dies zeigt wie wichtig es ist, bestimmte Muster der Ferkelsterblichkeit auf einem Hof zu definieren.

Basierend auf statistischen Analysen haben wir eine Methodik entwickelt, um die Betriebe zu klassifizieren. Die Kriterien, die für diese Klassifikation berücksichtigt wurden waren zum einen die Prozentzahl der sechs häufigsten Ursachen der Sterblichkeit von neugeborenen Ferkeln die sich aus der Studie ergaben, zum andern das durchschnittliche Gewicht der toten Ferkel und zuletzt die durchschnittliche Wurfgröße der Sau. Auf Grundlage dieser Kriterien haben wir 3 Kategorien von Betrieben bestimmt (Abbildung 3). Diese Klassifikation soll zu einem besseren Verständnis der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Schweinefarmen beitragen. Es können so gezielt konkrete Schwächen angegangen und Strategien entwickelt werden, um die Ferkelsterblichkeit zu verringern.

Newsletter April 2016

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