2016 | by PROHEALTH consortium | Print Article

Ergebnisse einer umfangreichen Literaturstudie

Hintergrund

Krankheiten in Hühnerherden können wegen verminderter Umsätze zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen, z.B. durch ein verringertes Volumen oder eine mindere Qualität des produzierten Fleisches oder der Eier und erhöhten Futter- oder Arbeitskosten. Die Existenz dieser Kosten ist zwar unbestritten, aber es herrscht weitgehend Uneinigkeit in Bezug auf die tatsächliche Höhe der wirtschaftlichen Verluste, die aus den einzelnen Produktionskrankheiten folgen. Hinzu kommt, dass zwar die Kosten der Präventionsmaßnahmen und Behandlungen bekannt sind, die damit verbundenen wirtschaftlichen Einsparungen aber häufig weniger klar sind. Als Folge davon wählen viele Geflügelproduzenten nicht die aus wirtschaftlicher Sicht optimalen Maßnahmen zur Krankheitsprävention und Behandlung. Es ist anzunehmen, dass dieses Problem akuter werden wird, da der Druck steigt, den Einsatz von Antibiotika bei der Behandlung von Geflügelkrankheiten zu senken.

Auswertung jüngerer Studien

Um die vollen wirtschaftlichen Auswirkungen der Geflügelproduktionskrankheiten zu untersuchen, wurde im PROHEALTH Projekt eine Untersuchung jüngerer Studien durchgeführt. Dabei wurden Informationen über die Kosten von unkontrollierten Krankheiten und die Einsparungen, die aus diversen Präventions- und Behandlungsmaßnahmen hervorgehen gesammelt. Studien, die für die moderne, kommerzielle Geflügelproduktion relevant sind, liefern Daten zu einer ganzen Reihe von Produktionskrankheiten. Die Studien variieren stark in ihrer Größe, von ein paar Hühnern in einem einzelnen Stall bis hin zu zehntausenden Vögeln über mehrere Farmen hinweg.

Die Kosten der Geflügelkrankheiten

Das wirtschaftliche Risiko von Produktionskrankheiten hängt von der Häufigkeit und Schwere der Krankheiten ab. Die Häufigkeit von Produktionskrankheiten, die in den untersuchten Studien einbezogen worden sind, sind in Abbildung 1 dargestellt. Hier beruht die Häufigkeit auf dem Anteil von Vögeln in Herden, die eine hinreichend schwere Form einer Krankheit aufweisen um einen wirtschaftlich negativen Einfluss zu verursachen. Die vorherrschenden Krankheiten in den überprüften Studien waren enterale Krankheiten, d.h. Kokzidiose und Clostridiose. Während klinische Formen der Krankheiten schwere Symptome aufweisen, einschließlich Sterblichkeit, können auch subklinische Formen erhebliche wirtschaftliche Verluste verursachen. Zum Beispiel in Form einer beeinträchtigten Futterverwertung, die zu einem höheren Futterbedarf für das Wachstum des Mastgeflügels und den Eierertrag bei Legehennen führt.

Abbildung 1

Newsletter April 2016

Die Kosten der Produktionskrankheiten variieren je nach dem welche Krankheit die Infektion auslöst und wie schwerwiegend die jeweilige Krankheit ist. Für jede der untersuchten Krankheiten wurden die Kosten für Mastgeflügel (Abbildung 2) und für Legehennen (Abbildung 3) getrennt beurteilt. Die wirtschaftlichen Verluste pro Vogel erscheinen bei Legehennen grösser als bei Mastgeflügel, weil die Krankheit bei Legehennen eine weit längere Produktionsperiode als bei Mastgeflügel betrifft. Die gesamten wirtschaftlichen Verluste einer Brustbeinfraktur liegt über das Leben einer Legehenne hinweg bei durchschnittlich €4, während Verluste durch eine infektiöse Bronchitis bei €3.2 pro Legehenne liegen. Verluste in dieser Höhe würden die betroffene Herde in den meisten Jahren unprofitabel machen. Unter den untersuchten Krankheiten bei Mastgeflügel verursacht die Clostridiose mit etwa €1 pro Masthuhn (geschlachtet bei 2kg Lebendgewicht) die größten Verluste, während der Verlust durch Kokzidiose nur €0.21 pro Masthuhn beträgt.

Die Abbildungen 2 und 3 zeigen, dass einige krankheitsbedingte Verluste durch Präventions- und Behandlungsmaßnahmen verringert werden können. Zum Beispiel können Maßnahmen gegen Salpingoperitonitis, Aszites und Clostridiose erheblich dazu beitragen Ertragsverluste zu reduzieren. Jedoch waren die untersuchten Maßnahmen im Fall der Kokzidiose oder der Schädigung des Brustbeins weit weniger effektiv.

Abbildung  2

Newsletter April 2016

Abbildung  3

Newsletter April 2016

Schlussfolgerungen

Die Resultate bestätigen, dass Betriebe, welche unter Produktionskrankheiten leiden erheblich weniger Profit erzielen als krankheitsfreie Betriebe. Allerdings können diese Verluste durch eine Reihe von Maßnahmen reduziert werden, wie beispielsweise durch Impfungen, besseres Einstreumanagement oder verbesserte Nahrung und Hygiene. Der wirtschaftliche Vorteil von Maßnahmen zur Kontrolle der Produktionskrankheiten variiert enorm je nach Krankheit und der gewählten Maßnahme. Einige dieser Maßnahmen haben gezeigt, dass sie die Häufigkeit von Krankheiten oder den Schweregrad mehrerer Krankheiten zu verringern vermögen. Daher wird der nächste Schritt im PROHEALTH Projekt eine breit angelegte Untersuchung der effektivsten Maßnahmen zur Reduktion von krankheitsbedingten wirtschaftlichen Verlusten in der Geflügelhaltung sein, besonders dort, wo diese Maßnahmen das Potenzial aufweisen den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren.

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